Rudolf Dreikurs
Seine individualpsychologische Erziehungslehre ist ungebrochen aktuell
1897 in Wien geboren
1937 Emigration in die USA wegen Nationalsozialismus
1972 in Chicago gestorben
Er begann seine Laufbahn als Psychiater in Wien und war einer der bedeutendsten Vertreter der Individualpsychologie von Alfred Adler
Die drei Grundprinzipien der Individualspychologie:
- Ganzheitlichkeit: Aus der Sicht der Individualpsychologie ist der Mensch unteilbar. Körper, Geist und Seele bilden eine Einheit.
- Zielgerichtetheit: Die Individualpsychologie fragt weniger nach den Ursachen, sondern lenkt den Blick auf die Ziele von Verhalten.
- Gleichwertigkeit: Probleme im menschlichen Leben entstehen nicht aus unterschiedlichen Aufgaben, sondern aus sozialer Ungleichwertigkeit.
Rudolf Dreikurs wandte diese Lehre auf die Erziehungssituation an und entwickelte so individualpsychologische Prinzipien der Erziehung.
Welches sind diese Prinzipien:
Ein Kind hat laut Dreikurs folgende soziale Grundbedürfnisse: Es will dazu gehören und sich geliebt fühlen, es will wichtig sein, sich fähig fühlen und Einfluss nehmen sowie sich sicher und geborgen fühlen können.
Wenn Kinder meinen, ihre sozialen Grundbedürfnisse würden nicht erfüllt, versuchen sie, auf irgendeine Art und Weise diese Ziele zu erreichen: Sie fordern verstärkt Aufmerksamkeit, suchen immer wieder den Machtkampf mit den Erziehungsberechtigten, neigen dazu, andere zu verletzen oder flüchten in eine zur Schau gestellte Unfähigkeit und Untätigkeit. Erziehung wird dann schnell zu einer täglichen Belastungsprobe. Lernen Eltern und Lehrer hinter dem störenden Verhalten jedoch die Bedürfnisse des Kindes zu sehen, die diesem zugrunde liegen, können sie angemessen und hilfreich auf die Situation reagieren. Sie zeigen den Kindern einerseits Wege auf, wie sie die sozialen Grundbedürfnisse befriedigen können, andererseits setzen sie bewusst andere Akzente, sodass sich die Kinder in ihren sozialen Bedürfnissen geachtet fühlen.
Konsequentes, ermutigendes Handeln und ein gekonntes Konfliktmanagement werden zu wichtigen Fertigkeiten der Erziehung. Die notwendigen Grenzen erfahren Kinder durch natürliche und logische Konsequenzen und nicht durch Belohnung und Strafe.
Ermutigung ist ein Schlüsselbegriff für die Entwicklung des Kindes und der respektvolle Umgang miteinander ist eine Grundvoraussetzung.
Werke: (Auswahl)
Kinder fordern uns heraus
Kurzbeschreibung
Der Klassiker der Erziehungsratgeber - 'Rudolf Dreikurs hat mit seinen Büchern Maßstäbe gesetzt und mit dem Bestseller 'Kinder fordern uns heraus' Generationen von Eltern den Weg zu einer partnerschaftlichen Erziehung gewiesen.' (Jan-Uwe Rogge)
Mit mehr als 600 000 verkauften Exemplaren ist der Erfolg dieses Erziehungsratgebers ungebrochen. Mittlerweile zu Eltern gewordene Kinder greifen zurück auf dieses Standardwerk, das schon ihre Eltern benutzt haben. 'Kinder fordern uns heraus' ist ein kompetenter Ratgeber bei ganz konkreten Alltagsproblemen. Anhand von 34 Erziehungsprinzipien werden genervte Eltern und entnervte Lehrer dazu ermutigt, weniger direkten Einfluss auf Kinder und Jugendliche zu nehmen und ihnen mehr Autonomie zuzubilligen. Dem Buch liegen die Auffassungen von Alfred Adler zugrunde, wonach Kinder die Konsequenzen ihres Handelns selbst spüren müssen - je älter sie werden, desto direkter. Im Grunde ganz einfach - könnte man denken.
Inhaltsangabe:
1. Unsere Ratlosigkeit
2. Das Kind verstehen
3. Das Kind ermutigen
4. Die irrigen Ziele des Kindes
5. Bestrafung und Belohnung vermeiden
6. Natürliche und logische Folgen anwenden
7. Festigkeit zeigen, ohne zu beherrschen
8. Das Kind achten
9. Die Ordnung achten
10. Die Rechte anderer achten
11. Auf Kritik verzichten und Fehler verkleinern
12. Den Tagesablauf regeln
13. Sich Zeit nehmen
14. Die Mitarbeit gewinnen
15. Keine ungebührliche Aufmerksamkeit geben
16. Sich nicht auf einen Machtkampf einlassen
17. Sich vom Streit zurückziehen
18. Handeln, nicht reden
19. Keine „Fliegen verscheuchen“
20. Nicht immer gefällig sein- Mut zum „Nein“ haben
21. Nicht impulsiv handeln, sondern das Unerwartete tun
22. Nicht zu sehr beschützen
23. Die Unabhängigkeit fördern
24. Sich nicht in einen Streit verwickeln lassen
25. Sich durch Furchtsamkeit nicht beeindrucken lassen
26. Vor der eigenen Tür kehren
27. Kein Mitleid zeigen
28. Nur sparsam und vernünftig fordern
29. Konsequent sein
30. Alle in das gleiche Boot setzen
31. Auf das Kind hören
32. Auf den Ton unserer Stimme achten
33. Es leichter nehmen
34. Kein Aufheben von schlechten Angewohnheiten machen
35. Vergnügen zusammen erleben
36. Keine Angst vor dem Fernsehen
37. Religion weise anwenden
38. Mit den Kindern, nicht zu ihnen reden
39. Einen Familienrat bilden
Kommentar:
Allen, die mit Kindern zu tun haben, kann dieses Buch eine Hilfe sein. Auch wenn dieses Buch in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts zum ersten Mal herausgegeben wurde, so ist der Inhalt immer noch toppaktuell.
Die jeweiligen Erziehungsratschläge sind ausführlich beschrieben und insgesamt mit 184 Beispielen belegt. In vielen Beispielen findet man Situationen wieder, die auf die eigene Familie zutreffen, fast so als wäre Dreikurs dabei gewesen.
Die Ratschläge können helfen, die Stresssituationen in der Familie abzubauen, vor allem, da man als Eltern auch ein besseres Verständnis für das Verhalten des Kindes entwickelt.
Auch wenn das Buch keine Erziehungsbibel für alle ist (es gibt ja auch andere Ansichten), so ist es doch eine Quelle gutgemeinter und wirkungsvoller Anregungen.
Psychologie im Klassenzimmer
Kurzbeschreibung:
Es ist schwieriger geworden zu erziehen; problematischer, Ordnung und Ruhe zu halten, und es ist zumindest fragwürdig, ob Strenge oder der vielfach verbreitete erzieherische Schmusekurs ausreichen. Das alles sind geläufige Klagen oder Feststellungen, und gewiss sind sie nicht neu. Was aber kann geschehen?
Viele halten diesen Klassiker für schulische Erziehungsfragen nach wie vor für Dreikurs' bestes Buch überhaupt, für das es keine ernsthafte Konkurrenz gibt. Dreikurs bietet praktikable Modelle für den erzieherischen Umgang mit Kindern, vor allem mit solchen, die Lehrern und Erziehern tagtäglich begegnen: demotivierte, vernachlässigte, aber auch durch Verwöhnung überforderte Kinder. Anhand zahlreicher Beispiele aus seiner langjährigen Praxis zeigt Dreikurs überzeugend, wie Lehrer mit erzieherischen Maßnahmen erfolgreich sein können: an die Stelle von Druck oder Belohnung treten besser die natürlich wirkenden, arrangierten logischen Folgen, die jedes Kind akzeptieren kann. "Aus den Konsequenzen lernen", lautet das Credo. Engagiert als Freund der Klasse, doch distanziert als Privatperson vermag der Lehrer durch gezielte Anwendung psychologischer und gruppendynamischer Methoden sogar die schlimmsten Störenfriede in die Klassenordnung einzugliedern.
Inhaltsangabe
I. Die Voraussetzungen
1. Kapitel: Die Rolle des Lehrers
- Der Kampf mit den Kindern
- Der Konflikt mit den Eltern
- Die Beziehung des Lehrers zum Schulleiter
- Der Lehrer und die Gemeinde
- Der Kampf des Lehrers mit sich selbst
2. Kapitel: Verständnis für das Kind
- Vererbung, Umwelt und schöpferische Kraft
- Die Bildung des Lebensstils
- Die treibenden Kräfte des Minderwertigkeitsgefühls
- Die Familienatmosphäre
- Die Familienkonstellation
- Die Erziehungsmethoden
- Die vier Ziele störenden Betragens
- Die drei Kindheitsphasen
3. Kapitel: Spezifische Verbesserungsmethoden
- Beobachten des Kindes
- Psychologische Untersuchung
- Erkennen der Ziele des Kindes
- Die Ziele des Kindes ändern
- Die psychologische Enthüllung
4. Kapitel: Unspezifische Verbesserungsmethoden
- Das Vertrauen des Kindes gewinnen
- Ermutigung
- Berücksichtigung der Gruppe
- Der Lehrer als Gruppenführer
- Die Atmosphäre im Klassenzimmer
- Autokratische oder demokratische Führung?
- Die Einheit der Klasse
- Konkurrenz contra Mitarbeit
- Klassengespräche
- Demokratische Klassenzimmerorganisation
II. Praktische Beispiele
5. Kapitel: Ermutigung: 1 – 15. Beispiel
6. Kapitel: Natürliche und logische Folgen: 16. – 27. Beispiel
7. Kapitel: Den kindlichen Lebensstil verstehen: 28. – 33. Beispiel
8. Kapitel: Die Ziele des Kindes ändern: 34. Beispiel
- Aufmerksamkeit erregen: 35. – 38. Beispiel
- Der Kampf um Überlegenheit: 39. – 42. Beispiel
- Rache: 43. – 45. Beispiel
- Sein Unvermögen zeigen: 46. – 48. Beispiel
9. Kapitel: Das Klassengespräch: 49. – 54. Beispiel
10. Kapitel: Gruppensituationen: 55. – 61. Beispiel
11. Kapitel: Wirksames Vorgehen: 62. – 64. Beispiel
Nachbemerkung
Kommentar:
Dieses Buch zeigt interessierten Lehrern anhand von zahlreichen Beispielen aus der Praxis wie sie mit schwierigen Schülern umgehen können. Die Beispiele können für die Lehrer Hilfen sein, die sie bei Verhaltensauffälligkeiten anpassen und anwenden können. Der erste Teil ist eine verständliche theoretische Grundlage zu den handfesten Beispielen des zweiten Teils, und ist trotz seines Alters (Dreikurs ist 1972 gestorben) immer noch brandaktuell.
Weitere Bücher:
- Kinder lernen aus den Folgen
- Lehrer und Schüler lösen Disziplinprobleme
- Familienrat

